Hintergrund: Störungsspezifische psychotherapeutische Behandlungsprogramme, wie die Interpersonelle Psychotherapie oder die Kognitive Verhaltenstherapie, haben sich bei der stationären Depressionsbehandlung in mehreren Studien als wirksam erwiesen. Sie gehören mittlerweile zum state of the art der Depressionsbehandlung und werden in den nationalen S3-Leitlinie empfohlen. Dennoch stossen diese Interventionen an Grenzen, was Komorbiditäten und zugrundeliegende pathologische Mechanismen, wie beispielsweise mangelnde Empathie oder Emotionsregulation, anbelangt. Um der Komplexität stationär behandlungsbedürftiger Depressiver Störungen und dem Implementierungsaspekt der vielen verschiedenen Therapieformen gerecht zu werden, bietet sich ein modulares Organisationsprinzip an, welches eine pragmatische Gliederung etablierter therapeutischer Interventionen ermöglicht. Methode: Auf einer offenen Station der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) in Basel wird für Patienten mit einer anhaltenden und/oder akut-episodischen Depressionsdiagnose (nach DSM-IV TR) sowie komorbiden Diagnosen die Konzeptentwicklung eines interpersonell ausgerichteten modularen Gruppenprogramms analog zur Medikamentenentwicklung in verschiedenen Phasen überprüft: Phase I (Konzeptualisierung, Erstellen eines Manualentwurfs anhand systematischer klinischer Erfahrungen mit Einzelfällen) und Phase II (offene Pilotstudie) sowie die Planung der Phase III (Wirksamkeitsprüfung) auf Grundlage der Ergebnisse der vorhergehenden Phasen. Das Programm integriert systematisch zusammengestellte Module des CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy), der IPT (Interpersonelle Psychotherapie) sowie der Beziehungsachtsamkeit (mindfulness). Es umfasst 8 Sitzungen von 90 minütiger Dauer, die zweimal wöchentlich durchgeführt werden. Resultate: In Phase I werden 16 sukzessiv rekrutierte Patienten (Alter 35-73, 56% frühe Traumatisierung, 63% stationäre Vorbehandlungen) untersucht. Nur eine Patientin (6%) steigt frühzeitig aus. 73% (n = 11) zeigen eine Response und Remission zu Behandlungsende. Die Patienten empfinden fast ausnahmslos die Arbeitsatmosphäre als angenehm und den Informationsgehalt als hilfreich. Bei allen Patienten hat sich der Zustand zum Zeitpunkt des Austritts gebessert und 11 davon (73%) geben an, die Gruppe habe dazu beigetragen. Die Inhalte sowie die Handouts werden nach Abschluss von Phase I adaptiert, woraufhin im Rahmen einer offenen Pilotstudie (Phase II) das Gruppenprogramm an 43 sukzessive rekrutierten Patienten (Alter 28-88 Jahre; 51% frühe Traumatisierungen, 65% stationäre Vorbehandlungen) auf einen ersten Machbarkeitsnachweis (proof of concept), Durchführbarkeit (feasibility) und Akzeptanz (acceptability) hin evaluiert wird. Eine geringe Dropout-Rate (9%, n = 4), hohe Patientenzufriedenheit und positives Feedback der Patienten und des Teams weisen auf eine gute Durchführbarkeit und Akzeptanz der Behandlung, sowie eine hohe Wirksamkeit (Response: 80%; Remission: 46%) hin. 38 Patienten (97%) geben an, ihr Zustand habe sich während des Klinikaufenthaltes gebessert und die Interpersonelle Modulgruppe habe massgeblich dazu beigetragen. Module, die auf Achtsamkeit, emotionale Wahrnehmung und Klärung abzielen werden von den Patienten mit am hilfreichsten bewertet. Die vier Blöcke des Gruppenprogramms weisen verschiedene Wirkfaktoren auf. Gemäss den Patienten kommt der Faktor Therapiebeziehung am meisten zum Tragen. Der Wirkfaktor Emotionsregulation scheint gemäss Patienten und Therapeuten in Block 3 wichtig zu sein. Hohe Depressivität, geringe soziale Fertigkeiten zu Beginn, weibliches Geschlecht und Komorbidität weisen auf ein weniger gutes Behandlungsergebnis hin. Schlussfolgerungen und Ausblick: Die Ergebnisse weisen auf eine gute Durchführbarkeit, Akzeptanz sowie eine hohe Wirksamkeit eines modularen Vorgehens hin. Diese Studie repräsentiert eine erste Überprüfung einer modularen Gruppenintervention für komplexe Depressionen. Es bedarf weiterer Forschung im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie, um Aussagen zur Wirksamkeitsprüfung (effectiveness) treffen zu können.
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